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03amtbanzkowDas Amt Banzkow von 1992 bis 2013

Das Jahr 2012 scheint das Jahr der großen Jubiläen zu sein. Viele Firmen wurden nach der Wende gegründet und sind nun schon mehr als 20 Jahre im Geschäft. Auch auf kommunaler Verwaltungsebene war die Zeit Anfang der 90er Jahre der Beginn einer neuen Etappe.

Bis zu diesem Zeitpunkt gab es in der Regel in jeder Gemeinde einen hauptamtlichen Bürgermeister mit einer unterschiedlichen Anzahl von Mitarbeiterinnen in der allgemeinen Verwaltung, der Kasse, Haushaltssachbearbeitung und Wohnungswirtschaft. Die Aufgabenbreite war überschaubar und das Geld gab es vom Landkreis zugeteilt.

Plötzlich wurde alles anders. Eine neue Form der Verwaltung sollte es geben. Die Gemeinden diskutierten über die Bildung von Ämtern. Gemeinsam sollte man selbständiger werden und größere Aufgaben bewältigen können. Alle, die damals aktiv in diesem Prozess beteiligt waren, werden sich erinnern, wie schwierig es war, erst einmal selber alles zu verstehen und es dann auch noch richtig zu vermitteln. Ganze Gemeindevertretungen fuhren zum "Anlernen" in die alten Bundesländer oder holten sich Unterstützung von dort. Es war ein spannender Prozess, in dem alle Lernende waren.

04amtbanzkowDen nachhaltigsten Kontakt zu einer "westlichen" Gemeinde baute Plate auf. Aus der Partnergemeinde Sörup kam der gestandene Verwaltungsfachmann Hermann Hass. Er war der Aufbauhelfer im wahrsten Sinne des Wortes. Und sein Wort hatte Gewicht: Bestimmt, aber nicht überheblich, erklärend, aber nicht besserwisserisch – führte er unsere Kommunalpolitiker Schritt für Schritt an die Bildung des Amtes heran.

Der Gründungsausschuss des Gemeindeverbandes Banzkow, Goldenstädt, Plate und Sukow – bestehend aus Herrn Bergmann / Banzkow, Herrn Pahl / Goldenstädt, Herrn Keding / Sukow und Herrn Bober / Plate - schuf die Basis für die Bildung der Verwaltungsgemeinschaft am 16. Dezember 1991. Und am 01. Juni 1992 nahm das Amt – erst einmal nur mit den beiden Mitarbeitern Frau Jahn und Herrn Weimer – seine Arbeit auf. Alle anderen 12 Mitarbeiter wurden einen Monat später eingestellt. Es waren diejenigen, die vorher in den vier Gemeindeverwaltungen Banzkow, Goldenstädt, Plate und Sukow tätig waren.

Diese Damen und Herren sollten nun die einzelnen Fachbereiche im Amt besetzen und neue, verantwortungsvolle Aufgaben übernehmen. Vieles wurde am Anfang gefühlsmäßig gemacht. Erst nach und nach gab es die notwendigen Weiterbildungen. Gesetze mussten gelesen und verstanden werden, Paragrafen wurden gepaukt und immer wieder Sachverhalte beim Landkreis hinterfragt sowie Entscheidungen abgeglichen. Auch die neue Technik war am Anfang nicht jedermanns Sache. Kopierer, Computer, Drucker – alles Teufelszeug und doch aus dem heutigen Büroalltag nicht mehr wegzudenken!

07amtbanzkowAnfang 1992 lebten ca. 5000 Menschen in unserem Amtsbereich, rund 1.900 in Plate, 1.600 in Banzkow, 600 in Goldenstädt und etwas mehr als 900 in Sukow.

In den folgenden Jahren wurde viel geplant und vor allen Dingen eines – es wurde gebaut! Vorhaben- und Erschließungspläne, Flächennutzungspläne und Bebauungspläne spielten auf vielen Sitzungen jeder Gemeindevertretung eine Rolle. Dazu kamen Straßen, Ver- und Entsorgungsleitungen, Straßenbeleuchtungen, Radwege und, und, und...

Mit der Entstehung neuer Baugebieten wuchsen die Einwohnerzahlen und die Anforderungen: Da ging es um Einkaufsmöglichkeiten vor Ort, um Kinderbetreuung und Schulbildung, um Sporteinrichtungen und touristische Wege.... Viele verschiedene Themen, bei denen immer die fachliche Präsens der Verwaltung erwartet wurde.

Mitte der 90er Jahre war ein zukunftsweisendes Projekt in aller Munde, das die einen hoch lobten und andere verdammten: der geplante Transrapid Hamburg – Berlin. Die Magnetschwebebahn sollte auch durch unseren Amtsbereich gehen und sorgte für viel Aufregung. Aber wie sooft war die Aufregung umsonst! Für ähnliche Unruhe sorgte der Bau der 380 KV Hochspannungsleitung von Görries nach 05amtbanzkow06amtbanzkowGüstrow, an deren Anblick wir uns nun schon gewöhnt haben und der Neubau der viel zu schmalen und maroden Brücken über die Stör in Plate und Banzkow.

Wie sehr hatten die Bürger damals in Banzkow für den Erhalt der historische Brücke gekämpft. Heute wäre sie kaum mehr vorstellbar.

1999 konnte der 8.000 Einwohner im Amt - Paul Hasselbeck - begrüßt werden. Und die Einwohnerzahl stieg weiter und erreichte 2002 mit fast 8.400 Einwohnern ihren höchsten Stand. Ab jetzt machte sich bemerkbar, dass auch die Stadt Schwerin Baugebiete auswies und einige Bürger in die Stadt zurück- oder viele junge Leute auch in die Welt zogen. Aktuell leben heute 7.625 Einwohner im Amtsbereich.

Immer wieder wird die Frage gestellt: „Was machen die eigentlich den ganzen Tag im Amt?

Der Ruf des öffentlichen Dienstes ist wirklich nicht der beste. Und die allgemeine Vorstellungen davon werden durch solche Formate wie „Baumann & Clausen“ noch kräftig unterstützt. Aber eines kann ich Ihnen versichern: Es gibt keine Berge mit unerledigten Anträgen bei uns!

Sicherlich können wir nicht immer tagfertig sein und manches Mal dauert es auch ein wenig länger, bis eine Frage und ein Problem abgearbeitet ist. Aber unsere Mitarbeiter sind dazu angehalten, die Anliegen der Bürger, die Fragen der Kommunalpolitiker und die vielen Anfragen und Zuarbeiten zum Landkreis, dem Städte- und Gemeindetag, den Ministerien und für die Landtagsabgeordneten so schnell wie möglich, kompetent und freundlich zu bearbeiten.

Große Aufgaben wurden in der Vergangenheit bewältigt.

Da ging es um die Erhaltung der einzelnen Schulstandorte. Für die Gemeinde Sukow war die Bildung des Schulverbandes mit Pinnow und Göhren der entscheidende Schachzug für den Erhalt ihrer Schule. In Banzkow und Plate setzten sich die Gemeindevertreter zusammen und entschieden gemeinsam, dass beide Standorte bleiben sollten. Seitdem gibt es statt zwei Grund- und Realschulen eine Grundschule in Plate und eine Regionalschule in Banzkow. Eine richtige Entscheidung, bei der aber beide Gemeinden ein Stück Eigenes aufgeben mussten.

Diese gemeinsame Herangehensweise an Probleme hat sich in den vergangenen Jahren immer wieder bewährt. Wilfried Kunzel prägte einmal den Ausspruch von unserem Amt Banzkow in seiner Einheit und Vielfalt. Schade, dass er nicht mehr zu unserem Jubiläum unter uns weilt.

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Bekannt geworden ist auch der gemeinsame Einsatz von Mitteln aus der Infrastrukturpauschale für jeweils ein Vorhaben einer Gemeinde. So konnten finanzielle Mittel gebündelt werden und waren Maßnahmen, wie der Turnhallenbau in Banzkow, für eine Gemeinde überhaupt leistbar. Letztendlich zahlte niemand drauf. Jede Gemeinde hat ihre Gelder bekommen!

Die Aufgabenbreite einer Amtsverwaltung komplett darzustellen, ist kaum möglich. Manche Leistungen, wie die Beantragung von Ausweisen und Reisepässen, Anfragen zu Bauvorhaben, der Sitzungsdienst und natürlich die Finanzverwaltung für die Gemeinden und das Amt begleiten uns ständig. Andere Aufgaben fallen alle paar Jahre an, wie die einzelnen Wahlen vom Bürgermeister, über die Gemeindevertretung, Kreistag, Landtag, Bundestag bis zur Europawahl.

Es gibt Aufgaben, denen wir uns gerne widmen: Dazu gehört all das, was die Gemeinden bei der Umsetzung von wichtigen Bauvorhaben im Dorf unterstützt - von der Beantragung der Fördermittel bis zur Bauabnahme; dazu gehört auch die Beratung der Bürger, die für die Sanierung ihrer Häuser finanzielle Unterstützung erhielten oder die Zuarbeit bei den vielfältigen Wettbewerbsaktivitäten der Gemeinden, die Unterstützung bei der BUGA und beim Landeserntedankfest.

Aber auch andere – ungeliebte -Entscheidungen der Gemeindevertretungen mussten wir umsetzen, so die Schließung der Kindertagesstätte in Goldenstädt oder der Abriss des Garagenkomplexes in Consrade.

Und auch wenn wir manches Mal in die Tischkante hätten beißen können, weil wieder einmal ein Förderantrag ins Leere ging oder ein aufwändig vorbereitetes Vorhaben nicht umsetzbar war - die schönen Momente in 20 Jahre Verwaltung überwogen:

  • neue Gebäude für Kindertagesstätten und Schulen und Feuerwehren

  • neue Sportplätze und Hallen

  • eine gelungene Gemeindefusion in Banzkow

  • das Zusammenrücken der Gemeinden in der Lewitz

  • anspruchsvolle und gemeinsame Feste in allen Gemeinden

  • die Umsetzung innovativer Ideen, wie die Verknüpfung eines Einkaufsmarktes mit einer Schule in Plate, der Störkrug mit Gemeindesaal oder das Störtal in Banzkow

  • der amtsübergreifende Verein RENaL

  • viele Jubiläen der Gemeinden in den vergangenen 20 Jahren

  • gelebte nationale und internationale Partnerschaften mit Sörup und Goldenstedt, mit Langebaeck und Golina

  • Broschüren und Chroniken, Amtsblätter und Homepagen, die über das Amt und seine Gemeinden berichten

  • Superveranstaltungen, die schnell zu Traditionen wurden, wie das Anbaden, Radsternfahrten und Brückenfeste, Badewanneregatta und Stoppelcrossrennen

  • gemeinsame Herbst- und Frühjahrsputzaktionen

  • Bau altersgerechter Wohnanlagen

  • herausragende Auszeichnungen, wie das Bundesverdienstkreuz am Bande für unsere ehemaligen Bürgermeister Solveig Leo und Dr. Albert Hilbig

  • die Welle der Unterstützung beim Hochwasser in Süddeutschland, beim Tsunami und bei den Schäden des Unwetters zum Herrentag 2009 in Plate

02amtbanzkowIn all diesen Dingen steckt manchmal nur ein kleines Stückchen Arbeit unseres Amtes und manchmal ein etwas größeres. Was wirklich alles in den Räumen des Amtes passiert, erschließt sich für den Betrachter am besten und anschaulichsten vor Ort.

Weit über die Grenzen des Amtsbereiches hinaus bekannt wurde unser Amt und seine Gemeinden u.a. durch den Radiosender Antenne Mecklenburg-Vorpommern, den Versandservice Plate, die Landesmeisterschaften im Dressur- und Springreiten in Sukow und die Erfolge der Gemeinde Banzkow im Bundeswettbewerb "Unser Dorf hat Zukunft" und bei Entente Florale.

Keiner kann sich auf den Erfolgen der Vergangenheit ausruhen; jeder Tag stellt neue, manchmal sehr sportliche Anforderungen. Dessen sind wir uns durchaus bewusst und auch bereit, uns auf Veränderungen einzulassen bzw. diese aktiv zu steuern. Dabei sind wir auch auf die Hilfe unserer Bürger angewiesen. Welche Vorschläge und Erwartungen haben Sie an eine zukunftsorientierte und bürgernahe Verwaltung? Lassen Sie uns gemeinsam unser Amt der Zukunft gestalten. Wir freuen uns über Ihre Ideen.

C. Krooß


Durch eine Fusion mit den bisherigen Ämtern Ostufer Schweriner See und Crivitz ging das Amt Banzkow am 1. Januar 2014 im neu gebildeten Amt Crivitz auf.

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2012 - Jubiläumsfeier "20 Jahre Amt Banzkow" am 01. Juni 2012, © K. Krull, M. Güldner, H. Jeßel, K.-G. Haustein

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